Neue Sprache vs. bedrohte Wörter

Vor kurzem hatte ich einen Artikel gelesen, in dem unter anderem darauf hingewiesen wurde, dass es Wörter gibt wie z.B. „Bandsalat“, die vom Aussterben bedroht sind. Entweder gibt es den Kontext zum Wort nicht mehr oder es wurde durch „modernere“ Modelle ersetzt oder gar verenglischt. In diesem Zusammenhang habe ich herausgefunden, dass es sogar ein Lexikon der bedrohten Wörter gibt. Ich habe mich auf der Homepage mal etwas umgeschaut und die rote Liste der gefährdeten Wörter entdeckt. Ich dachte mir, man müsste diesem „Artensterben“ etwas entgegensetzen und bin einfach mal die Liste von A-Z durchgegangen und habe versucht, die mir noch bekannten Wörter (selbst ich habe die meisten noch nie gehört) in einen fiktiven Text zu verewigen, quasi ein Friedhof der Wörter:

„Mein Abspielgerät ist weg!“ Mit einem Affenzahn springe ich auf und schaue mich im Strassencafe um. Vorne steht immer noch die Frau mit dem Atombusen, die wahrlich eine Augenweide ist. Wenn heute Badetag wäre, würde ich gerne mal mit ihr in die Wanne rutschen. Aber wo ist mein Abspielgerät. Gestern, als das Drecksteil mal wieder einen Bandsalat gemacht hat, lag es doch noch in meine Tasche. Ich hatte es doch 1989 von meinem Begrüßungsgeld gekauft, obwohl ich aus Köln nach Berlin gefahren war. Aber da kann man doch wohl auch mal begrüßt werden. Wie einBerserker hatte ich dann den Rest in Kreuzberg auf den Kopf gehauen. Und als großes Finale noch ein Bonanzarad mitgehen lassen. Als der Herr Bonanza dann plötzlich vor mir stand, kam ich ganz schön in die Bredouille. Ich habe aber dann schnell die Fliege gemachen, bevor er mich zeigen konnte, wie seine Faust riecht. Nach noch nicht mal 1km hatte der Drahtesel schon einen Platten,also habe ich das Teil einfach in die Spree geworfen und bin zu Fuß zu meinem Hotel gelatscht. Vor dem Eingang sprach mich so ein Dreikäsehoch an, ob ich Lust auf eine Meinungsumfrage hätte. Der Kleine hatte ganz schön Dusel, dass ich überhaupt noch grade aus schauen konnte. Er wollte wissen, wie meine Meinung zur

wilden Ehe wäre. Da war mir da aber auch jetzt zu intim, also brüllte ich ihn an, er solle Fersengeld gewinnen und ging rein.

Im Hotelzimmer neben mir war anscheinend noch eine fetzige Fete zugange. Da jetzt schlafen zu gehen wirklich Firlefanz wäre und ich eh nur Flausen im Kopf hatte, klopfte ich an. Es öffnete die Frau mit dem Atombusen und es gab ein großes Hallo. Hinter ihr dröhnte laute Mucke. Sie sagt, wenn ich Fluppen hätte, könnte ich rein kommen. Hatte ich, gab sie dem Fräulein Wunder und betrat den Raum in Hoffnung auf eine Frischfleischparade. Leider hatte ich die Galoschen auf dem Boden übersehen und flog flachlinks auf die Schnautze. Als mir das Schuhwerk bauchlinks genauer ansah, erkannte ich, dass es Männerschuhe waren. Da klickte es auch schon und starrte in eine Revolverlauf von so einem Ganoven. Es war wohl eine Falle und scheint mein Groschengrab zu werden. Irgendwie muss ich diesen halbstarken Gummiadler loswerden. Also schnapp ich mir eine der Galoschen und schlag dem Halunkendie Haubitze aus der Hand, verpaß ihm eine Harke und renn wieder raus auf den Hotelflur, wo es wie Hechtsuppe zog. Auf den Schreck ging ich erstmal runter an die Hotelbar und bestellte mir einHerrengedeck für einen Heiermann. Der Typ und seine Ische hatten ja nicht viel im petto, aber trotzdem sollte ich besser hier unten bleiben. Um mir den Aufenthalt etwas zu versüßen bestelle ich mir beim Barkeeper noch einen großen Käseigel.

Aber zurück in die Gegenwart ins Strassencafe. Es ist wahrlich ein Kaiserwetter. Da mein Walkman anscheinend verschwunden ist, gehe ich rüber zu Kaufhalle um mir dort zwischen dem ganzen billigen Klimbim einen neuen zu kaufen. Die Kaufhalle befindet sich direkt neben dem Kreiswehrersatzamt und dem alten Lichtspielhaus. DieLuschen haben die Cassettenspieler direkt neben die Lümmeltüten gehangen, na sowas! Ich schnapp mir einen, bezahle an der Kasse bei so einem Luder und gehe zurück ins Cafe. Dort lege ich meine alte Mischkassette ein und bestelle mir einen Muckefuck und fühle mich total Multikulti. Ich surfe im Internet und wunder mich, dass Muschi auch schon im Lexikon der bedrohten Worte steht und denke darüber nach, ob ich wohl mit den falschen Leuten verkehre, als plötzlich so eine Nulpe von Ober mit mein Kännchen Onko Kaffee (denn draußen gibt nur Kännchen) über denWalkman kippt. Ich fahr hoch und frag den Pantoffelhelden, ob bei ihm noch alles palletti ist im Oberstübchen und dass es wohl kein Pappenstiel wäre, dass er mir die Plörre einfach so über meinen neuen Player gibt. Der Vogel will mir einen Persilschein anbieten, aber ich will von dem Pfennigfuchser Penusen sehen, sonst setzt es einen Strauss Prilblumen mit Programmkino. Er gibt mir die Monetten und ich gehe wieder rüber zur Kaufhalle. Da ich keinen Bock mehr auf Kassette habe, kauf ich mir einen Quetschkommode und mach jetzt selber Musik und Remmidemmi.

Ein Schelm wie ich bin, stelle ich mich direkt in die Fussgängerpassage und gebe ein Konzert. Bei dem Schabernack kam aber nur Schnickschnack rum und somit war die Scheese gelaufen. So ein Schuft hat mir sogar ein paar Reichsmark in den Beutel geworfen, der alte Sittenstrolch. Es reichts und ich will nach Hause, damit ich heute kein Spätheimkehrer werde. Das Hafenklavier wird wohl kein Steckenpferd von mir, also schmeiß ich es in die Spree. Scheiße, bin gar nicht mehr in Berlin. Dann war es ein anderer Bach. Ich frag noch die Frau mit dem Atombusen im Cafe, ob sie Lust auf ein Stelldichein bei mir zu Hause hätte, da kam aber unverhofft ihr Stiefelknecht um die Ecke und ich suche das Weite. Obwohl ich mit dem Suppenkasper auch fertig geworden wäre. Daheim fütter ich erstmal meinen Tamagotchi und betätige mich an ein paar Telespielen. Dann lass ich noch was die Flimmerkiste laufen und penne ein. Als ich wieder wach wurde lief nur noch dasTestbild. Es es Zeit Tschüssikowski zu sagen und in die Heia zu gehen. Also pack ich noch schnell meinen Turnbeutel und lege meine Übergangsjacke raus, da es morgen etwas frischer werden soll. Aber Brenn- oder Völkerball mache ich morgen nicht mir, dass können die verlöten. Auf dem Bett liegt noch mein altes Telefon mit Wählscheibe. Ich schmeiss es in die Ecke und mich in die Koje. Im Halbschlaf streichel ich noch ein bischen meinen Wanst und denke über das Waldsterben und die deutsche Wertarbeit nach. In meinem Traum erscheint wieder die Wuchtbrumme mit den großen Ohren, aber leider auch wieder ihr komischer Zausel. Steiler Zahn hin oder her, wenn die Zimtzicke noch nicht mal einen meinen Träumen alleine kommt, dann kann die mir den Buckel runterrutschen. Also blende ich weiter und träume, ich hätte alle Kaufhallen-Filiallen aufgekauft und würde dort nur noch meine neuste Erfindung verkaufen: Den portabelen Mini-Disc-Player. Das wird Zukunft, ich werde Millionär und kaufe mir von dem Geld meinen erstem Laserdisc-Spieler….das digitale Film-Abspielgerät der Zukunft…..endlich keinen Bandsalat mehr……

So, alle sind aufgerufen, diese Wörter vor dem Aussterben zu retten und wieder mehr im täglichen Smalltalk und SMS-Twitter-Blog-Mail-Rohrpost-Verkehr einzusetzten. Und im Restaurant kann man ruhig mal wieder „Herr Ober !!!“ rufen. Das gibt bestimmt auch ein großes Hallo……


posted by Max Trojan in Die Welt and have Comment (1)

One Response to “Neue Sprache vs. bedrohte Wörter”

  1. Book of Ra sagt:

    Tjo, die Dinge können so trivial erscheinen. Danke 🙂
    An sich n super Beitrag, nur könnt ihr im nächsten Post ein wenig umfassender sein?

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