Telefonbuch vs. neue Medien

Letztens habe ich in der Stadt vor der Bonner Post wieder diese jungen Leute gesehen, die hinter sich Europaletten von neuen Telefonbüchern getürmt haben und nun versuchen, jedem unbescholtenen Bürger (in diesem Fall auch gerne der so genannte „Bonner“) ein Exemplar in die Hand zu drücken. Aber wer schaut heute noch in ein Telefonbuch und sucht dort einen alten Bekannten oder die Nummer des fiesen Nachbarn, weil sein Hund sich wieder um 3 Uhr nachts in die Besinnungslosigkeit bellen möchte. Grob geschätzt würde ich sagen, dass sich dort nur noch Leute mit Jahrgang unter 1965 oder Landeier registrieren lassen. In den Tiefen der Eifel (Hallo, kleiner Ranger), wo es vielleicht noch gar kein Internet gibt und der ein oder andere noch am Felsen lutscht, da mach so eine Lektüre bestimmt Sinn. Aber in so einem kleinen Dorf kennt dann doch eh jeder jeden. Gelbe Seiten kann ich ja noch verstehen, da nun wirklich nicht jeder Dorffriseur oder kleine Schuster eine ausgefuchste Flash-Javascipt-Web2.0-Homepage hat mit Facebook „Gefällt mir“ Button und GoogleMap-Fähnchen hat. Der einzige Moment, wo ich mal ins gelbe Buch schauen wollte, war, als ich mich aus meiner Wohnung ausgeschlossen hatte. Da war ich aber draussen und das Buch drinnen. Irgendwie eine gestörte Beziehung. Aber zurück zu den analogen Telefonbüchern…

Diese werden heute von „das (!?!) Telefonbuch-Servicegesellschaft mbH (O-Ton Impressum) unter www.dastelefonbuch-marketing.de unter die Leute gebracht. Die Print-Version hat heute noch eine Auflage von über 28 Millionen Büchern und 130 verschiedenen Ausgaben jährlich. Der Bekanntheitsgrad liegt bei 88%, aber wer kennt denn jetzt bitte kein Telefonbuch. Ok, die Kinder und der Hund vom Nachbarn. Im 21 Jahrhundert wird natürlich auch die Online-, Iphone-, Ipad-, CD-Rom und sonst was Version angeboten, die ja auch Sinn machen. Ich habe einfach mal online geschaut, wer in meinem Dorf, wo ich aufgewachsen bin, noch so drin steht im aktuellen Telefonbuch. Natürlich gebe ich erstmal mich selber ein. Zwar findet er meine Nummer nicht, da ich ja auch immer eine Eintragung verweigere in Zeiten des Datenschutzes, dafür zeigt die Seite in einem separaten Banner ein schönen Facebook-Foto von mir. Das selbe beim Möckel, der im übrigen einen Namesvetter in Trogen an der ungarischen Grenze hat. Beim Dorftest finde ich, wenn überhaupt, nur noch Elterneinträge von meinen Jugendfreunden und die standen wirklich schon früher im Telefonbuch mit ihren 4-stelligen Telefonnummern.
Also belegt der Test: Ja, das analoge Telefonbuch ist auch ein Objekt, das neben dem Musikantenstadl, Sparstrümpfen, Kassettenrekordern, Röhrenfernsehr und dem Hausfrauenkittel zusammen mit den Generationen unter 1965 in der Versenkung verschwinden wird. Und was machen wir dann mit den Europaletten voll von Telekommunikationsliteratur. Tja, entweder lustige Schwanzvergleiche durch Zerreissen in Akkord oder man baut sich daraus ein schönes Haus.

20111119-085723.jpg


posted by Max Trojan in Warum? and have Comments (3)

3 Responses to “Telefonbuch vs. neue Medien”

  1. Bjoern sagt:

    Toller Post! Ich werde da nochmal versuchen mehr zu erfahren!

  2. Marcel sagt:

    Ich bin im moment damit beschaeftigt meinen Feed Reader zu mit Feeds zu bestuecken, wo finde ich den hier den Link zum Feed ?

Place your comment

Please fill your data and comment below.
Name
Email
Website
Your comment

bloglist.de Deine moderierte Blogliste Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
%d Bloggern gefällt das: