Nummer vs. Abheben

Wir leben in einer Zeit, in der wir nie wirklich allein sind. Wir haben Handy, Iphones, Ipads, Twitter, Facebooks und was weiß ich nicht alles. Und doch ist mir die letzten Jahre aufgefallen, dass man immer weniger Lust hat abzuheben, wenn es mal wieder klingelt…oder eine Mail zu lesen, die mehr als einen Absatz hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich beruflich schon den ganzen Tag mit komischen Vögeln telefonieren und sinnlos herum mailen muss. Jedoch fällt mir das Phänomen auch bei anderen auf. Es wird immer schwieriger Leute zu ereichen, weil man nur noch mit Mailboxen kommuniziert. Besonderes hart wird es, wenn man eine Gruppe an einem gemeinsamen Termin versammeln soll und von jedem ein Feedback braucht…selbst SMS ist für Männer Mitte 30 einfach nur noch lästig….ist es die Rezession der privaten Kommunikation und der Wunsch nach alter Freiheit? Sind diese Medien nur noch eine von zu vielen Verpflichtungen auf unserem Rücken, der mit Mitte 30 eh schon krumm und schief ist von der ganzen Last der schnelllebigen Gesellschaft

Aber war es denn früher besser? Eigentlich ist es heute unvorstellbar, besonders wenn man es mal Jugendlichen erklärt. Da kommt man sich vor, als ob man vom 2. Weltkrieg erzählt. Wenn man in meiner Jugend aus dem Haus gegangen ist, dann war man einfach weg! Komplett von der Bildfläche verschwunden bis man irgendwo wieder aufgetaucht ist. Wie oft ist meine Mutter abends durchs Dorf gefahren, um mich zu suchen, weil ich in dieser Zwischenwelt verschollen war und eigentlich nur etwas zu spät von meinem „Spielkameraden“ nach Haus marschiert bin. Telefone hatten keine Displays (in meiner Zivizeit bei der Stadt Bonn gab es bei den Ämtern sogar noch Wahlscheibe…1997!), so dass wir früher darüber sinniert hatten, wie toll es wäre, wenn man sehen könnte, wer anruft. Dann könnten wir, wenn es einer der nervigen Kumpels ist, einfach nicht dran gehen. Also haben wir uns ein Klingelzeichen-Code überlegt: Erst einmal anklingeln lassen, auflegen und wieder anrufen. Da wußte man immer, man spricht mit einer „wichtigen“ Person. Heute wissen wir meistens wer dran ist…und aggieren erst recht nach dem Klingelzeichen-Code. Jaja, die schöne neue Welt.

Ein älterer Kunde von mir hat im übrigen zu dem Thema erzählt, dass die früher noch nicht mal ein Festnetztelefon hatten, bzw als er eins hatte, hatten alle seine Bekannten keins. Also musste er, wenn er jemanden was sagen oder fragen wollte, zu Fuss zu der Person hin spazieren und es ihr mitteilen. Und wenn es blöd gelaufen ist, war derjenige gar nicht da und man ist umsonst gelaufen……..dass kann ich mir wiederum nicht nicht mehr vorstellen, tja der 2. Weltkrieg waren schon eine verrückte Zeit.


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