Der überraschende Tod vs. die Audiozombies

Tach zusammen,

ich weiß nicht, ob Ihr es schon wusstet, aber von Jacksons der Jung, der Michael, ist tot. Sicher, eine traurige Sache, aber wirklich gesund sah der nie aus. Manche werden sich nun wahrscheinlichen einen Kochtopf über den Kopf stülpen, scheppernd mit dem Kochlöffel drauf schlagen und schreien:“ Nein, nein, bitte nichts mehr von Michael Jackson!!!!! Mein medialer Gehirnspeicher platzt…“ Aber leider doch oder gerade deswegen muss das Thema auch hier noch mal verwurstet werden. Denn ein typisches Phenomen ist mal wieder aufgetreten, was mich ein wenig beschäftigt hat.

Denn kaum hat das Presselaubfeuer „Der MJ ist tot“ die ersten Ästchen versenkt, ist der MJ-Virus ausgebrochen, der die Menschen zu Audiozombies mutieren lässt. Im Vorfeld sollte man wissen, dass sich die letzten 8 Jahr (im direkten Vergleich zu seiner Megaerfolgszeit in den 80-90er Jahren) kaum eine Sau für den Micheal interessierte; der war eher unheimlich und macht angeblich gerne mit Kindern rum. Das letze Album 2001 war ein Flop und danach wurden schon 2 offizielle Greatest Hits Albem veröffenlicht (davor gab es auch schon ein) die auch nur so mitliefen. Und die angekündigten Comeback-Konzerte liefen Gefahr eher eine peinliche Freakshow zu werden. (ein 50jähriger Schatten seiner Selbst, der zu Playbackmusik noch mal den Roboter gibt). Mit anderen Worten, außer für die Hardcore-Fans, die weltweit gesehen wohl auch nicht wenig sind, war der Michael ein Witz.

Und jetzt ist er tot. Und zack kommt der MJ-Virus und die Leute kaufen wie besessen alles was der Micheal hergibt. In ITunes und Amazon waren die die Top10s von Alben bis Musikvideos voll von Micheal Jackson. Im Kölner Saturn wurde die komplette MJ-Sparte leer gekauft und ein verzweifelter Kunde bettelte an der Info:“Geben Sie mir irgendwas von Michael Jackson, IRGENDWAS!!!“. In Düsseldorf im Saturn hat ein Kunde verlangt, dass sie ihm

alles einpacken sollen, was sie vom MJ haben, er nehme alles. Die Zombies jagen durch Deutschland frei nach dem Zombie-Motto: Es ist egal, was wir bekommen, Hauptsache wir bekommen irgendwas.

Natürlich ist das kein reines MJ-Phenomen. Genaus so lief es natürlich auch bei Elvis, Queen (Freddie Mercury), Nirvana (Kurt Cobain) oder auch auf kommunaller Ebene bei Roy Black oder im deutschsprachigen überregionallen Raum der gute Falco ab. Das merkwürdige ist, dass alle gerade in den Jahren vor ihrem Tod einen ungesunden Lebenswandel hatten, es quasi so ein bisschen den Bach runter ging. Und bei allen hat die Kasse nach dem Tod nicht mehr aufgehört zu klingeln. Warum ist das so. Warum kaufen die Leute CD’s, die sie teilweise schon haben, noch mal, nur weil einer gestorben ist.

Ich habe darüber nachgedacht und weiß es: Sie machen es aus Buße! Die Zombies haben ein schlechtes Gewissen, weil sie den Künstler, den sie ja eigentlich ganz gut finden und mit einigen seiner alten Hits eigene Lebensabschnitte verlebt haben, bei seinen letzten Flop-Alben und der schwersten Zeit in seinem Leben vor dem Tod nicht mehr gehuldigt haben. Jetzt ist er tot und man sagt sich: Mensch, hätte ich doch mal wieder mehr hingehört, wäre ich doch mal ins Konzert gegangen oder hätte die letzte Platte gekauft, anstatt mich in der Gala über seine Drogeneskapaden lustig zu machen. Wenn ich ihn doch nur noch einmal live sehen könnte…es tut mir alles so leid. Ich gehe jetzt in den Laden und kaufe alles was bekommen kann, damit es der Familie wenigstens gut geht. Ich habe zwar schon alle Alben von ihm, werde aber aus Buße trotzdem nochmal die letzten 3 Best-of und die demnächst aus „Auschlachtungsgründen“ 10 zusätzlichen Best of (beste Balladen, beste Partynummern, beste Schunkelhits…) kaufen. Dann ist alles wieder gut.

So ähnlich wird es wohl sein. Eine Art gefühlter Eintrag ins große Kondolenzbuch des Künstlers. Die Musikindustrie titscht aufgrund der Zombieflut natürlich auch herum wie eine amoklaufende Kirmesorgel und wird uns in Zukunft mit allerlei MJ-Leckerein beglücken, welche wir uns heute noch garnicht vorstellen können. Ich auf jeden Fall kauf ich mir schon mal die Rechte für „Micheal Jackson“ – Das Musical, MJ- der Film (oder heute heißt das Biopic (nein, keine freilaufenden Schweineschnitzel)), MJ- das Iphone-App und MJ- das Benefitzkonzert. Wer wird wohl den MJ im Film spielen, Jim Carry? Ich fürchte, wir werden es erleben. Demnächst im Kino unseres Vertrauens. Vielleicht auch schon in 3D.

Im übrigen schon mal ein paar Bußetermine, welche uns in Zukunft erreichen werden: Tode von Elton John, David Bowie, Mick Jagger, Phil Collins, Celine Dion, Robbie Williams (ich fürchte fast, bei seiner Gemütslage wird er der erste sein), Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Heino und Xavier Naidoo (bei dem wird es dann richtig schlimm mit der Betroffenheit, allein schon durch die Musik).

Also dann…einen Moonwalk vorwärts für alle und bis später!


posted by Max Trojan in Die Welt,Musik and have Comment (1)

One Response to “Der überraschende Tod vs. die Audiozombies”

  1. BlauerGrobi sagt:

    ich halte es für schlimmer, daß ein offensichtlich pädophiler Psychopath als King of Pop diese Verehrung bekommt. was für eine Welt.

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