Taubstumm vs. Plüschtier-Mafia

Tach zusammen…

also gestern saß ich mal wieder in der Kölner City im Woyton-Cafe (da gibt es nämlich W-Lan für ümesonst) und, wie fast jedes Mal, kamen sie wieder: Die Taubstummen!

Man ist vertieft am lesen oder surfen…plötzlich schleicht sich jemand an und hält einem einen Mini-Plüschtierhund mit Schlüsselanhänger vor die Nase. Dann legt er diesen vor einen auf den Tisch mit einem Zettel, wo so was steht wie „ich bin taubstumm; helfen Sie einem Behinderten und behalten Sie das Tier gegen eine Spende von 4€“. Wenn das mal kein Schnäppchen ist. Der Taubstumme dreht seine Runde im Cafe und man ist komplett aus seinem Kontext gerissen und ist nur noch am grübeln, wie man sich verhält, wenn er nun zur Retoure kommt. Man will das billige Tier gar nicht und 4€ ist viel Geld; vielleicht weniger geben, aber wie will man ihm das erklären, der hört mich ja nicht. Vielleicht versteht er mich falsch und denkt, ich will um den Plüschhund auch noch feilschen. Ein Mienenfeld von Fettnäpfchen tut sich auf. Und man wollte doch nur in Ruhe im Cafe sitzen. Wenn ich Stresssituationen suche, fahre ich auf die Arbeit. Schließlich habe ich ihm wie immer durch ein hilfloses Lächeln + leichtes Kopfschütteln vermittelt, dass ich nichts gebe oder habe, und so hat er seine Tiere wieder eingepackt und ist weiter gezogen.

Ich bin der Sache aber mal auf den Grund gegangen und habe Recherchen durchgeführt, wo diese Stofftier-Taubstummen herkommen und wo sie hingehen…und Abgründe taten sich auf:

Eine Frau, die Gebärdensprache beherrscht, berichtete, dass sie oft in ratlose Gesichter schaute, wenn sie solche Stofftiertaubstummen etwas „vorgebärte“ (keine Ahnung, ob es das Wort gibt!?!). Andere haben sogar daraufhin fluchtartig das Lokal verlassen.

Dann gab es in Düsseldorf ein polnisches „Schleuser-Paar“, dass mehrere taubstumme Landsleute

nach Deutschland gelockt und zum Stofftierverkauf gezwungen haben soll; durch Passabnahme. Diese mussten dann bis zu 14 Stunden durch Kneipen tingeln. Die Einnahmen wurden einkassiert und die Taubstummen unter unwürdigen Umständen in Wohnwagen untergebracht. Wenn die Opfer nicht gehorchten, gab es Schläge.

Und in Italien hat die Polizei eine weißrussische Bande ausgehoben, die etwa 200 Taubstumme aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion in den Badeorten der Toskana als Bettler-Sklaven einsetzte. In ihrem Haus fand die Polizei 5 stellige Geldbeträge und Berge von Plüschtier-Schlüsselanhängern.

Und in Frankreich gibt sich der Oberboss als „Präsident des ukrainischen Behindertenverbands“ aus und bekommt so vom Staat Visa für seine „Schützlinge“. Dieser kaufte dann Stofftier-Gadgets im großen Stil ein und die Opfer mussten ihm diese dann abkaufen. Vom Gewinn durften sie dann zwar 30% behalten, dafür wurde aber zusätzlich 750€ Kost und Logi im Monat abverlangt. Wer rebelliert, hat mit dem Schlimmsten zu rechnen. In Frankreich sind allein im Vorjahr zehn tote Taubstumme gefunden worden, verstümmelt und gefoltert vor ihrer Ermordung.

Alles schlimme Geschichten…und trotzdem gibt es wohl auch noch wirklich „selbstständige“ Taubstumme, die davon Ihren Lebensunterhalt beziehen, bis zu 1.000 € im Monat. Teilweise auch Leute, die gar nicht taubstumm sind.

Also zurück ins Cafe…was soll man machen, wenn der nächste Taubstumme kommt. Ihn von hinten anbrüllen um zu schauen, ob er wirklich taubstumm ist oder generell was geben, denn entweder ist es wirklich für seinen Unterhalt oder man kann ihm vielleicht den Tag bei der „Schleuser-Mafia“ retten. Ich weiß es nicht, aber eine Diskussion kann gerne im Kommentar angeregt werden.

Zum Abschluss noch 2 Sachen zum Thema:

Erstens: Taubstumm ist ein veralteter Begriff, man spricht heute von Gehörlosen, da diese Menschen nicht stumm im Sinne von sprachlos sind…nur mal so am Rand.

Und zweitens habe ich noch einen „tollen“ Kommentar eines gönnerhaften Spender-Schnösels zum Thema gefunden, welchen ich mal als O-Ton hier stehen lassen möchte:

„…Ich mag diese direkte Wirkung (des Spendens) ebenfalls. Allerdings habe ich Spaß daran, diese Wirkung direkt zu erleben. Deswegen mache ich Menschen, von denen ich denke, dass sie Unterstützung gebrauchen können, gerne persönliche Geschenke. Wie zum Beispiel im folgenden Fall: Ich befinde mich in einer Besprechung in einem Café, als ein junger Mann auf mich zukommt und einen Zettel, sowie einen Schlüsselanhänger (mit grauem Plüschtier) auf den Tisch legt…Ich kann den Schlüsselanhänger nicht brauchen. Als der junge Mann zurückkommt, kaufe ich das Plüschtier für 100 Euro.

Vermutlich wird es Sie interessieren, wie der junge Mann reagiert hat. Nun, ich sage es Ihnen – er war sprachlos!

Okay, das war er vorher auch schon.Aber vielleicht war es ja in diesem Moment sogar ganz gut, dass er nicht reden konnte. Sonst hätte er eventuell getan, was so viele Verkäufer tun – sich das gute Geschäft wieder kaputt geredet und mich davon überzeugt, dass 10 Euro auch in Ordnung wären . . .“

Also dann…bis später!


posted by Max Trojan in Die Welt and have Comment (1)

One Response to “Taubstumm vs. Plüschtier-Mafia”

  1. BlauerGrobi sagt:

    also ich weiss nicht. schlimme geschichten, keine frage. sollte man solchen individuen helfen? verschlimmert sich durch „eine gute einnahme“ nicht eher deren situation? selbstverständlich sind das alles arme kreaturen, doch wie hilft man richtig? eigentlich müsste man sich so einen schnappen und zu den bullen bringen. doch ist das nicht auch gleichzeitig das todesurteil für den armen tropf? und der kann nicht mal schreien! oder etwa doch?

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